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Der grosse Erfahrungsbericht von den Pionieren der vegetarischen Hunde- und Katzenernährung: Der ehemaligen Leitung des Tierheims Siegen
Bei uns gibt es als Hauptnahrung selbst gekochten Eintopf für die Hunde: eine bunte Mischung aus Reis und/oder Kartoffeln und/oder Nudeln und/oder Hirse, einfach alles an Gemüse von Möhren bis Spinat (wenn ich keine Zeit zum Schnippeln habe, nehme ich Tiefkühl-Suppengemüse, Bohnen-Möhren-Kohlrabi-Erbsen-Sellerie-Lauch-Blumenkohl-Rosenkohl-Mischung), Hülsenfrüchte (mal rote Linsen, mal gelbe Erbsen, oder auch weiße Bohnen oder Kichererbsen), Soja-Granulat, Knoblauch, Hefeflocken und Buchweizen. (Wenn im Eintopf Buchweizen ist, gibt das derart vorbildliche „schöne“ Hundehaufen, dass es kaum zu glauben ist. Sieht sonst schon mal arg nach roten Linsen oder gelber Hirse aus, und die Vorbild-Haufen gelingen nur mit Buchweizen, zumindest habe ich sonst noch nichts gefunden, was ähnliche Resultate hinterlässt.) Gekocht wird alles in Gemüsebrühe, dazu noch bisschen Salz und Distel- oder Olivenöl. Sojasoße als Würze kommt auch sehr gut an (und wenn alles nicht hilft: die meisten Hunde stehen irgendwie auf Maggi). Oder für den Geschmack/Geruch eine Extraportion Bierhefeflocken, die finden ja sogar Katzen ganz toll. Wenn Du irgendeinen Hund hast, der unbedingt den Metzgerei-Geschmack haben will, kann man Räuchertofu in den Eintopf tun (nur Raucharoma tut es auch) oder irgendwelche Veggie-Würstchen. Bei unseren Hunden brauche ich so was nicht, und bei den meisten anderen ist es ebenfalls nicht nötig, weil es auch so schmeckt. Gibt auch viele Hunde, die stehen auf Tofu-Bolognese-Pasta mit Zucchini und Auberginen, frischen italienischen Kräutern, so schön mit Knoblauch-Tomatensauce und Hefeflöckchen. (Abgesehen davon finde ich es überaus praktisch, wenn Hunde und Menschen aus einem Topf essen können und ich nicht den halben Tag blöd am Herd stehe, um erst für die Hunde und dann für die Menschen das Essen zu machen.)
Ob die Hunde dann in so einem Essen wirklich Vegedog brauchen, kann ich auch nicht sagen, aber wir tun es (auch wenn es vielleicht nur für unser gutes Gewissen ist) einfach rein. Ist vielleicht bisschen komisch, den Hunden Nahrungsmittelergänzung ins Essen zu tun und in das eigene Essen kommt nichts dergleichen und Mensch ist auch ohne gesund.
Mengenmäßig die Zusammensetzung des Eintopfes etwa halb Reis und/oder Kartoffeln und/oder Nudeln und/oder Hirse und halb Gemüse/Sojagranulat/Hülsenfrüchte. Pro großem Pott Hundeeintopf (so das größte an Suppentopf, was man als normaler Mensch in einem Haushalt hat) reichen etwa 100g Buchweizen. Konsistenz so, dass es keine Suppe, sondern was Festes wird, also am Ende kein Wasser mehr im Topf ist. Da Hunde ja auch Abwechslung haben sollen, kann man ja gut mit verschiedenem Gemüse und verschiedenen Hülsenfrüchten variieren und mal Reis, mal Kartoffeln, mal Nudeln nehmen und die „Fleischeinlage“ ändern.
Damit die Hunde auch was zum Knabbern haben (hartes trockenes Brot oder Knäckebrot tut es natürlich auch), backe ich ihnen Kekse, und bisher ist es mir nicht gelungen, welche zu backen, die sie nicht essen wollten. Und ich freu mich diebisch über die „verwöhnten“ Hunde (z.B. den meiner Mutter), die ihre extrateuren tollen Hundefleischwürstchen ausspucken und ihren Rinderbraten liegen lassen, aber begeistert sind von meinen Keksen. Vor allem die mit Apfel drin kommen bei dem Würstchenausspucker super an, zum Entsetzen meiner Mutter.
Als Grundlage Teig aus Mehl, Hefe und Haferflocken. Als Varianten dann: Möhren-Kekse, Apfel-Kekse, Apfel-Möhren-Kekse, Pizza-Kekse, Nuss-Kekse, Nuss-Apfel-Kekse, Apfel-Nuss-Möhren-Kekse, Lauch-Kekse, Möhren-Lauch-Kekse, Körner-Kekse für die ganz Harten, Kakao-Nuss-Kekse für die ganz Süßen ...- Du siehst, auch hier kann sich der Hundekoch austoben. Äpfel und Möhren gebe ich gerieben zu den anderen Zutaten, Nüsse gemahlen, dann das alles mit oder ohne Körner (Leinsaat, Sonnenblumenkerne) zusammenkneten, auf einem Backblech ausrollen, mit Messer in kleine oder große Rechtecke schneiden und dann etwa eine halbe Stunde bei 180 Grad backen, danach noch zum Trocken im Ofen lassen oder auf die Heizung stellen, bis sie 100% hart und trocken sind. Die Pizza-Variante mache ich mit Röstzwiebeln, Sojasoße, Knoblauch, Oregano und Tomatenpüree (statt Wasser). Die Lauch-Kekse werden mit Gemüsebrühe statt Wasser bedeutend leckerer; man kann sie natürlich auch mit Kräutern würzen.
Abgesehen von Keksen und Eintopf gibt es für die Hunde „Menschenessen“, also alles das, was wir auch essen, egal ob Brot mit Brotaufstrich, natürlich Obst (Bananen, Äpfel, Birnen, Beeren, Kiwi...) und frisches rohes Gemüse (Möhren, Tomaten, Paprika, Gurken...). Unsere Hunde machen weder Halt vor Sauerkraut mit Pellkartoffeln, noch vor grünem Salat in Essig-Öl-Dressing, noch vor „Gyros“ mit Knoblauch“quark“ (natürlich wie alles vegan); die besorgten Kommentare „das-ist-aber-doch-zu-scharf-für-einen-Hund“ sind normal, aber wo soll das Problem sein, wenn die Hunde es gerne mögen und es ihnen gut bekommt. Und wenn ein Hund meint, er müsse sich rohe Kartoffeln oder Zwiebeln oder Hühnerfutter klauen, soll er es meinetwegen gerne behalten und essen. Das einzige, was ein Hund an Gemüse eher nicht essen sollte, sind komplette Maiskolben, nur Mais ist ja schon kaum verdaulich und kommt genau so wieder raus, wie er reingekommen ist, aber Maiskolben komplett ist ähnlich gut verdaubar wie eine Kokosfußmatte.
Egal ob „Hundeeintopf“ oder „Menschenessen“, beides kann man natürlich gut mit Trockenfutter mischen. Für unsere Hunde gibt es wenn überhaupt Trockenfutter bevorzugt Yarrah, eignet sich auch am besten zum Mischen mit Feuchtfutter, da es nicht so „verpampert“ wie viele andere Trockenfuttersorten und auch noch seine Form behält, wenn man warme Gemüsebrühe drüber gibt. Ich habe übrigens den Eindruck, Yarrah hat die Rezeptur geändert, denn früher hatte es eine ziemliche Essignote und war akzeptanzmäßig zumindest pur nicht so der Renner. Essignote ist weg, und sogar unsere nörgelige Uraltpodenca isst es pur. Vielleicht lag die Essigsache auch am Händler oder alles was bei uns landete war Scheiße gelagert, keine Ahnung.
Eintopf kochen ist technisch bisschen schwierig, wenn man ein ganzes Tierheim mit 50 oder mehr Hunden zu füttern hat. Ich habe es immer so gehalten, dass es wenn’s schnell gehen sollte ganz schlicht und einfach Nudeln in Gemüsebrühe mit verschiedenen Sorten veg. Trockenfutter gemischt gab. Das haben die Hunde sehr gerne gegessen, und bei kaum einem mussten noch Leckerchen in Form von Veggiewürstchen dabei. Man kann die Sache natürlich auch mit Hefeflocken oder veg. „Bratensoße“ oder einer aufgelösten Portion Brotaufstrich und einem Schuss Öl oder Sojajoghurt oder einer Dose veg. Dosenfutter anpeppen. Mit diesen einfachen Tricks essen auch die Hunde Trockenfutter, die es trocken nie anrühren würden, und auch die Tierheimhunde, die nur eingedostes Industriefleischfutter gewohnt waren, haben erstaunlicher Weise nicht gemeutert, sondern von Anfang an gut und gerne gegessen und brauchten keine „Umgewöhnungszeit“. Ich kann mich gut an frühere Zeiten erinnern, wo noch niemand auf die Idee mit dem vegetarischen Futter gekommen war, dass die Hunde im Tierheim oft total schlecht gegessen haben, das Dosenfutter stehen lassen haben oder sogar oft so „leckere“ Sachen wie Pansen nicht angerührt haben und am nächsten Tag das ganze Futter unangerührt im Gulli landete. Statt es alternativ mal mit Nudeln in Gemüsebrühe zu versuchen, bekamen diese Hunde dann eine verzweifelte Dose „gutes“ Katzenfutter serviert, und auch die fand dann oft genug nur den Weg in den Gulli, weil Hund auch das nicht wollte.
Die meisten Menschen meinen ja auch, der Hund müsste besondere „Leckerchen“ haben, die man praktischer Weise immer und überall in der Hosentasche dabei haben kann. Für die Hunde, die kein banales Trockenfutter mögen: probier mal (neben kleinen selbstgebackenen Kekslein) Bierhefetabletten oder Bananenchips (bestenfalls selbstgemacht aus dem Ofen, ungesüßt). Spätestens nach der zweiten Bierhefetablette kommen die meisten Hunde zuverlässig angerast, wenn man sie ruft. Und die Dinger krümeln noch nicht mal in der Hosentasche. Sind meine „Geheimwaffe“ - und funktionieren auch bei Katzen.
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